Fragen und Antworten zu Kunststoffpartikeln in der Schlei

Nach aktuellem Sachstand gelangten Kunststoffpartikel durch das geklärte Abwasser aus der Schleswiger Kläranlage in die Schlei. An dieser Stellen listen wir die häufgsten Fragen auf und geben Ihnen eine Antwort dazu. Haben Sie weitere Fragen, die hier noch nicht gestellt sind? Wenden Sie sich gern über unser Kontaktformular an uns. 

Was ist passiert?

Nach aktuellem Sachstand gelangten Kunststoffpartikel durch das geklärte Abwasser aus der Schleswiger Kläranlage in die Schlei. Dies ist das Ergebnis einer intensiven Ursachenforschung, die die Schleswiger Abwasserentsorgung gemeinsam mit der Unteren Wasserbehörde des Kreises Schleswig-Flensburg im Januar 2018 durchgeführt haben.

Was ist die Ursache?

Die Ursache wird derzeit in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden untersucht.
Aufgrund mehrerer Funde von Kunststoffpartikeln an Uferabschnitten der Schlei im Januar dieses Jahres, sind die im Klärwerk angelieferten Gärsubstrate untersucht worden. Hierbei wurde festgestellt, dass sich in den Gärsubstraten Kunststoffpartikel befinden, die trotz der 4-stufigen Filteranlage, die in der letzten Stufe aus einer vier Meter dicken Sandschicht besteht, nicht aufgefangen wurden.

Warum wurden Gärsubstrate an die Kläranlage geliefert?

In der Schleswiger Kläranlage wird das Abwasser aus Schleswig und den umliegenden Gemeinden geklärt. Aus dem Klärgas wird Wärme und Strom durch ein Blockheizkraftwerk produziert. Als zusätzlicher „Energielieferant" wurden bereits seit 2006 Speisereste (Gärsubstrat) in den Prozess eingeführt. Das heißt, diese Speisereste werden vergoren und es entstehen weitere Klärgase, die zu Strom und Wärme verarbeitet werden.
Laut Vertrag sollte das Gärsubstrat in gleichbleibender Qualität wie in den vergangenen Jahren geliefert werden.

Weitere Informationen -> siehe weiter unten „Speisereste und Klärwerk – wie hängt das zusammen?"

Welche Maßnahmen wurden und werden ergriffen?

Als Sofortmaßnahme haben wir umgehend eine zusätzliche Filtereinrichtung im Klärwerk installiert, welche feste Bestandteile, die größer als 2 mm sind, auffängt. Darüber hinaus wurde die Annahme und Verwendung von Gärsubstraten im Klärwerk sofort eingestellt. Und natürlich wurde auch bereits mit der Reinigung der Uferregionen begonnen.
Derzeit wird von der Unteren Wasserbehörde des Kreises Schleswig-Flensburg ein Kataster erstellt, das die verunreinigten Uferbereiche aufzeigt. Die Uferbereiche der Schlei werden weiterhin intensiv kontrolliert und die Reinigung der betroffenen Bereiche durch Mitarbeiter der Schleswiger Stadtwerke, spezialisierte Unternehmen, und freiwillige Helfer fortgeführt.

Was wurde schon zur Reinigung der Schlei und ihrer Uferregionen getan?

In Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde wurden bereits Schilfablagerungen, an denen sich die Kunststoffpartikel festgesetzt haben, an den betroffenen Ufern manuell entfernt und fachgerecht entsorgt.

Über den aktuellen Stand der Reinigungsarbeiten informieren wir Sie unter "Aktuelles" sowie in der Chronologie

Seit dem 16. April 2018 wird die Schlei auch von der Wasserseite aus gereinigt. Hierzu wurde ein Siebboot angefertigt, das die Schlei täglich abfahren und die im Wasser schwimmenden Kunststoffpartikel ausfiltern wird. Mehr dazu auch in unserer Chronologie - 16. April 2018. 

Wie werden Sie den Belangen des Naturschutzes gerecht?

Die Schlei ist ein Meeresarm der Ostsee und aufgrund der Flora und Fauna als Naturpark eingestuft. Viele Tiere, vor allem Vögel, nutzen die Uferbereiche der Schlei als Lebensraum und Brutgebiet. Aufgrund der Bedeutung als Rastplatz für Wasservögel ist die Halbinsel Reesholm Naturschutzgebiet und unterliegt strengen Vorgaben was das Betreten des Gebietes betrifft. Aber auch alle anderen Uferbereiche sind als sensibel einzustufen. Daher finden alle Maßnahmen und Aktionen nur in enger Abstimmung mit dem Kreises Schleswig-Flensburg (Untere Wasserbehörde und Untere Naturschutzbehörde) und dem Kreis Rendsburg-Eckernförde statt.

Mit dem Beginn der Brutsaison ist folgendes Vorgehen mit der Unteren Wasserbehörde und der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Schleswig-Flensburg, der auch die Koordination für den Kreis Rendsburg-Eckernförde mit übernimmt, festgelegt worden:

  1. Prüfung und Abstimmung der zu reinigenden Gebiete mit dem Kreis Schleswig-Flensburg (auch für den Kreis Rendsburg-Eckernförde)
  2. Begutachtung dieser abgestimmten Gebiete durch einen Biologen 
  3. Beginn der Reinigungsarbeiten erst nach Freigabe der Gebiete durch den Biologen

Grundsätzlich finden keine Eingriffe mehr im Schilfgürtel statt. Die Reinigung der Gebiete vor und hinter dem Schilfgürtel wird wie oben beschrieben organisiert.

Wo kann ich mich melden bezüglich Fundstellen?

Wir sind dankbar für jeden Hinweis aus der Bevölkerung. Alle Hinweise werden von den Schleswiger Stadtwerken sowie von der Unteren Wasserbehörde gesammelt und in einem Kataster aufgenommen, um die Reinigungsaktionen koordinieren zu können. Bürger können sich telefonisch an Mathias Frahm von den Stadtwerken unter Telefon 04621/801 471 oder per E-Mail mathias.frahm@schleswiger-stadtwerke.de wenden.

Wo kann ich mich melden, wenn ich mich an einer Reinigungsaktion beteiligen möchte?

Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und vieler Unternehmen. Alle Reinigungsmaßnahmen werden eng mit dem Kreis Schleswig-Flensburg abgestimmt. Die Schleswiger Stadtwerke koordinieren daher alle Aktionen. Sofern Reinigungsaktionen unter Beteiligung von freiwilligen Helfern aus der Bevölkerung initiiert werden, werden wir die Termin rechtzeitig öffentlich bekannt geben. 
Ansprechpartner ist Mathias Frahm von den Stadtwerken unter Telefon 04621/801 471 oder per E-Mail mathias.frahm@schleswiger-stadtwerke.de.

Wird der Vertrag zwischen den Stadtwerken und dem Zulieferer veröffentlicht?

Ja, der Vertrag ist am 5. April 2018 mit Zustimmung beider Vertragsparteien in einem Pressetermin des Bürgermeisters der Stadt Schleswig veröffentlicht worden. Mehr dazu in der Chronologie 5. April 2018.

Gibt es Auswirkungen auf den Tourismus in der Schleiregion?

Zu möglichen Auswirkungen für den Tourismus in der Schleiregion hat Max Triphaus, Geschäftsführer der Ostseefjord Schlei GmbH, in einem Interview für den TourismusNewsletterDeutschland Stellung genommen. Das gesamte Interview können Sie hier nachlesen: TourismusNewsletterDeutschland vom 21. März 2018    

 

Speisereste und Klärwerk – wie hängt das zusammen?

In der Schleswiger Kläranlage wird das Abwasser aus Schleswig und den umliegenden Gemeinden geklärt. In einem Blockheizkraftwerk wird aus dem Klärgas Wärme und Strom produziert. Seit 2006 werden als zusätzlicher „Energielieferant" Speisereste in den Prozess eingeführt. Das heißt, diese Speisereste (Gärsubstrate) werden vergoren und es entstehen Klärgase, die zu Strom und Wärme verarbeitet werden.

Nach Angaben des Lieferbetriebes der Gärsubstrate werden verpackte Lebensmittel nicht vor der Verarbeitung von der Verpackung befreit, sondern in einer Hammermühle zerkleinert. Danach wird mittels weiterer Maschinen versucht, die Verpackung zu separieren und aufzufangen.

Das Gärsubstrat wurde täglich angeliefert und kontinuierlich dem Faulturm und somit dem Klärschlamm zugeführt. Nach der Ausfaulung wird der Klärschlamm entwässert. Das Wasser wird im Faulturm aufgefangen und in der Kläranlage wieder am Einlauf der Abwässer und vor einem Rechen dem Abwasser zugegeben. Die Schleswiger Kläranlage verfügt über vier Klärstufen, gesetzlich vorgeschrieben sind lediglich drei. Die vierte Reinigungsstufe beschreibt einen zusätzlichen Verfahrensschritt in der Kläranlage, der zur weiteren Reinigung des behandelten Abwassers dient, beispielsweise der Entfernung von Schwebstoffen. Im Schleswiger Klärwerk besteht der vierte Filter aus einer vier Meter dicken Sandschicht. Schlussendlich gelangt das geklärte Abwasser vom Klärwerk über einen Bachlauf (Brautseegraben) in die Schlei.

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